Das Waterfall-Display verstehen: Frequenzen sichtbar machen

Wie du das wichtigste Werkzeug jeder SDR-Software lesen lernst

sdr 5 Min. Lesezeit

Das Fenster in die Funkwelt

Wer zum ersten Mal eine SDR-Software¹ öffnet, sieht zwei Dinge: Oben ein zackendes Liniendiagramm, unten ein buntes Band, das langsam nach unten fließt. Das obere ist das Spektrum². Das untere ist der Wasserfall – und er ist dein wichtigstes Werkzeug.

Was zeigt der Wasserfall?

Ein Waterfall-Display³ zeigt drei Dimensionen auf einmal:

  • Horizontal: Frequenz (niedrig links, hoch rechts)
  • Vertikal: Zeit (neu oben, alt unten)
  • Farbe: Signalstärke (dunkel = schwach, hell = stark)

Signale erscheinen als vertikale Linien, die nach unten fließen. Je länger ein Signal sendet, desto länger die Linie. Je stärker das Signal, desto heller die Farbe.

Das Spektrum oben zeigt nur den aktuellen Moment. Der Wasserfall zeigt die Geschichte – was in den letzten Sekunden oder Minuten passiert ist.

Warum der Wasserfall unverzichtbar ist

Ein einfaches Spektrum-Display hat ein Problem: Kurze Signale blitzen nur kurz auf. Wenn du nicht genau hinschaust, verpasst du sie.

Der Wasserfall löst das. Ein Signal, das nur eine Sekunde gesendet hat, hinterlässt eine kurze vertikale Linie. Du siehst es auch noch, nachdem es vorbei ist. Das ist entscheidend für:

  • Spurensuche: Unbekannte Signale identifizieren
  • Timing: Wann sendet ein Satellit? Wann funkt die Wetterstation?
  • Mustererkennung: Periodische Signale fallen sofort auf

Die Farbpalette lesen

Die meisten SDR-Programme bieten verschiedene Farbschemata:

Klassisch (Blau-Gelb-Rot):

  • Dunkelblau/Schwarz = Rauschen
  • Gelb/Orange = mittleres Signal
  • Rot/Weiß = starkes Signal

Graustufen:

  • Schwarz = kein Signal
  • Weiß = starkes Signal

Die Farbskala ist logarithmisch: Ein Unterschied von einer Farbstufe kann einem Faktor 10 in der Signalstärke entsprechen. Das menschliche Auge kann diese komprimierte Darstellung intuitiv erfassen.

Typische Signalmuster

Mit etwas Übung erkennst du Signaltypen auf einen Blick:

FM-Rundfunk (UKW-Radio):
Breite Bänder, etwa 200 kHz breit. Konstante Helligkeit, manchmal mit Stereo-Pilotton als dünne Linie bei 19 kHz Abstand vom Träger.

Amateurfunk-Gespräch:
Schmale Bänder (3–6 kHz), oft in Clustern. SSB-Signale erscheinen als asymmetrische Bänder, die mit der Sprache pulsieren.

Digitale Signale:
Rechteckige Blöcke mit scharfen Kanten. Die Bandbreite verrät oft das Protokoll. ADS-B erscheint als kurze Pulse, WLAN als breite Bänder.

Wettersatelliten:
Langsame, diagonale Linien. Die Dopplerverschiebung lässt die Frequenz langsam fallen, während der Satellit vorbeizieht.

Störsignale:
Horizontale Linien (breitbandige Impulse), periodische Muster (Schaltnetzteile), oder chaotisches Flickern (defekte Elektronik in der Nähe).

Die Wasserfallbreite einstellen

Der angezeigte Frequenzbereich (Span¹⁰) beeinflusst, was du siehst:

Breiter Span (z.B. 2 MHz):

  • Überblick über viele Sender
  • Gut zum Scannen
  • Details gehen verloren

Schmaler Span (z.B. 20 kHz):

  • Ein einzelnes Signal im Fokus
  • Modulationsmuster erkennbar
  • Kein Überblick

Die meisten Programme erlauben Zoomen per Mausrad. Starte breit, finde interessante Signale, dann zoome rein.

Wasserfall-Geschwindigkeit

Die Fallgeschwindigkeit des Wasserfalls (FFT-Rate¹¹) bestimmt die zeitliche Auflösung:

Schnell (hohe FFT-Rate):

  • Kurze Signale sichtbar
  • Wasserfall “fließt” schneller
  • Höhere CPU-Last

Langsam (niedrige FFT-Rate):

  • Nur längere Signale sichtbar
  • Längerer Zeitraum auf dem Bildschirm
  • Weniger Rechenaufwand

Für die meisten Zwecke ist eine mittlere Einstellung sinnvoll. Bei der Jagd nach kurzen Bursts¹² (z.B. Funkthermometer auf 433 MHz) hilft eine höhere Rate.

Praktische Wasserfall-Tipps

Kontrast anpassen: Wenn alles zu dunkel oder zu hell ist, justiere die Farbskala. Das Rauschen sollte gerade so sichtbar sein, Signale deutlich hervorstechen.

Referenzlinie setzen: Viele Programme zeigen eine Markierung bei der aktuell eingestellten Frequenz. Nutze sie zur Orientierung.

Screenshots machen: Interessante Signalmuster festhalten. Später kannst du recherchieren, was du gesehen hast.

Wasserfall pausieren: Manche Programme erlauben das Einfrieren des Wasserfalls. Nützlich, um ein Muster genau zu analysieren.

Der Wasserfall als Lernwerkzeug

Das Waterfall-Display ist mehr als eine technische Anzeige – es ist ein Fenster in eine unsichtbare Welt. Mit jedem Blick lernst du:

  • Welche Frequenzen aktiv sind
  • Wie verschiedene Signaltypen aussehen
  • Wann bestimmte Sender aktiv sind
  • Wo Störquellen liegen

In “Die Zeit-Energie-Verschwörung” entdeckt Marcus mit seinem SDR mehr, als er erwartet. Der Wasserfall zeigt ihm Muster, die andere übersehen. So funktioniert es in der Realität auch: Wer den Wasserfall lesen kann, sieht die Funkwelt mit anderen Augen.


Weiterführende Artikel: RTL-SDR für Einsteiger | GQRX vs SDR#

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