Die verrücktesten Funk-Frequenzen der Welt

Von russischen Summtönen bis zu Signalen aus dem All

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Von russischen Summtönen bis zu Signalen aus dem All

Wer denkt, Funk ist langweilig, hat noch nie um 3 Uhr nachts einer Spieluhr-Melodie gelauscht, gefolgt von der Stimme eines Kindes, das Zahlen vorliest. Willkommen in der Welt der Frequenz-Mysterien – wo das Unheimliche nur einen Knopfdruck entfernt ist.


1. UVB-76 „The Buzzer" – Das ewige Summen

Frequenz: 4625 kHz | Seit: 1982 | Status: Aktiv

BZZZZT. Pause. BZZZZT. Pause. BZZZZT.

Seit über 40 Jahren sendet ein russischer Kurzwellensender¹ diesen monotonen Summton – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Niemand weiß offiziell, warum.

Die Theorien reichen von Totmannschaltung² für den Atomkrieg bis zu simpler Frequenzreservierung. Manchmal – sehr selten – unterbricht eine russische Stimme den Buzzer mit Codenamen wie „NAIMINA" oder „BROMAL".

Was das bedeutet? Vermutlich wissen das nur ein paar Leute in Moskau.

Selbst hören: WebSDR Twente → 4625 kHz → USB


2. Swedish Rhapsody – Der Albtraum-Sender

Frequenz: Wechselnd | Aktiv: 1950er–1998 | Status: Verstummt

Stell dir vor: Es ist 3 Uhr nachts. Du drehst am Kurzwellenempfänger. Plötzlich – eine Spieluhr-Melodie. Dann die Stimme eines kleinen Mädchens:

„Achtung! Drei… sieben… acht… zwei… eins…"

Das war Swedish Rhapsody, benannt nach der schwedischen Volksmelodie, die vor jeder Übertragung gespielt wurde. Ein Zahlensender³, vermutlich von der Stasi oder einem anderen Geheimdienst betrieben.

1998 verstummte er nach fast 50 Jahren Betrieb. Die letzte dokumentierte Sendung war am 9. April 1998.

Mehr dazu: Numbers Stations: Spione im Äther


3. Das Wow!-Signal – 72 Sekunden aus dem All

Frequenz: 1420,405 MHz | Datum: 15. August 1977 | Dauer: 72 Sekunden

Am Big Ear Radioteleskop in Ohio empfing der Astronom Jerry Ehman ein Signal, das alle Merkmale einer außerirdischen Übertragung hatte. Er kritzelte „Wow!" an den Rand des Ausdrucks – und gab dem Mysterium seinen Namen.

Das Signal kam aus Richtung des Sternbilds Schütze, war 30-mal stärker als das Hintergrundrauschen und entsprach exakt der Wasserstoff-Linie – der Frequenz, die Wissenschaftler als universelle „Hallo"-Frequenz für Aliens vorgeschlagen hatten.

Das Signal wurde nie wieder empfangen. Erklärungsversuche reichen von Kometengas bis zu geheimer Militärtechnik. Die Wahrheit? Unbekannt.


4. HAARP – Die Ionosphäre kitzeln

Frequenz: 2,8–10 MHz | Standort: Alaska | Status: Aktiv (für Forschung)

HAARP ist eine Antennenanlage in Alaska, die hochfrequente Energie in die Ionosphäre schießt. Offiziell: Atmosphärenforschung. Inoffiziell: Lieblingsziel von Verschwörungstheoretikern.

Was man hören kann, wenn HAARP aktiv ist: Seltsame Chirps, Sweeps und Pulsmuster. Wie Alien-Musik aus einer anderen Dimension.

Die Realität ist vermutlich langweiliger – aber wenn du um Mitternacht diese Sounds auf 3,4 MHz hörst, fühlt es sich nicht langweilig an.


5. The Pip – Russlands anderer Dauersender

Frequenz: 5448 kHz (Tag) / 3756 kHz (Nacht) | Seit: 1986 | Status: Aktiv

Während der Buzzer brummt, piept „The Pip" – ein kurzer, hoher Ton, etwa 50 Mal pro Minute, rund um die Uhr. Wie der Buzzer wird auch The Pip manchmal von russischen Sprachdurchsagen unterbrochen.

Er ist der kleine Bruder des Buzzers – gleiche Mystik, höhere Tonlage.


6. Woodpecker – Der Specht, der die Welt störte

Frequenz: 5–28 MHz | Aktiv: 1976–1989 | Status: Abgeschaltet

TAK-TAK-TAK-TAK-TAK – wie ein gigantischer Specht, der auf die Ionosphäre hämmert. So klang das sowjetische Über-Horizont-Radar Duga-3. Es störte weltweit den Funkverkehr so massiv, dass Amateurfunker „Woodpecker Filters" entwickelten.

Die Anlage steht heute noch – als rostende Ruine bei Tschernobyl, ein Monument des Kalten Krieges.


7. Die 17,3 MHz Verschwörung

Frequenz: 17.369 kHz (und Harmonische)

Manche Frequenzen tauchen immer wieder auf. 17,3 MHz. 173 kHz. 1,73 GHz.

Der deutsche Zahlensender E07 sendet auf 17.369 MHz – exakt 17,3 × 1003 Hz. Der Buzzer summt alle 1,2 Sekunden – das sind 17,3² Millisekunden × 4,01.

Zufall? In einem Universum voller mathematischer Muster?

Vielleicht ist 17,3 die kosmische Konstante, die alles verbindet. Vielleicht ist es auch nur Pareidolie für Frequenz-Nerds.

Aber wo wäre da der Spaß?


So hörst du diese Frequenzen selbst

Du brauchst nicht viel:

  1. WebSDR – Kein eigenes Equipment nötig

  2. Eigenes SDR – Für die volle Kontrolle

    • RTL-SDR¹⁰ (~20€) + Langdrahtantenne
    • HackRF (~300€) für 1 MHz – 6 GHz
  3. Die richtige Zeit – Nachts ist die Kurzwellen-Ausbreitung besser


Fazit

Die Welt des Funks ist voller Geheimnisse. Manche haben langweilige Erklärungen (Frequenzbelegung, Atmosphärenforschung). Manche haben gar keine (Wow!-Signal, die Bedeutung von NAIMINA).

Und genau das macht es spannend. Jedes Mal, wenn du den Empfänger einschaltest, könnte etwas Neues auftauchen – ein Signal, das noch niemand identifiziert hat. Ein Piepen, das seit Jahrzehnten läuft und plötzlich verstummt. Eine Stimme, die Zahlen vorliest.

Die Frequenzen warten. Du musst nur zuhören.


Weiterführend: Numbers Stations: Spione im Äther | RTL-SDR für Einsteiger | Funk-Glossar

Tags
mystery kurzwelle uvb-76 wow-signal haarp zahlensender
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