Jupiter hören – Radioastronomie für Einsteiger

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Planeten kann man sehen. Aber hören?

Du kennst Jupiter als hellen Punkt am Nachthimmel. Aber wusstest du, dass der größte Planet unseres Sonnensystems auch ein Radiosender ist? Mit einem einfachen SDR¹ kannst du ihn hören – wie Meereswellen, die aus dem Weltraum rauschen.


Was ist Jovian Noise?

Jupiter ist ein riesiger Magnet. Sein Magnetfeld ist 20.000 Mal stärker als das der Erde und erstreckt sich bis zur Sonne. Wenn geladene Teilchen durch dieses Feld rasen, erzeugen sie Radiowellen im dekametrischen² Bereich – zwischen 18 und 22 MHz.

Diese Emissionen nennt man „Jovian Noise" oder Jupiter-Radiobursts. Sie klingen wie:

  • S-Bursts – Kurze, scharfe Impulse (unter einer Sekunde)
  • L-Bursts – Lange, rollende Wellen (mehrere Sekunden)

Das Ergebnis: Ein kosmisches Meeresrauschen, direkt aus 600 Millionen Kilometern Entfernung.


Wann hört man Jupiter?

Jupiter sendet nicht ständig. Du brauchst die richtige Kombination:

1. Jupiter über dem Horizont

Der Planet muss mindestens 15° über dem Horizont stehen. Verwende Apps wie Stellarium oder TheSkyLive um zu prüfen, wann Jupiter sichtbar ist.

2. Die Position von Io

Hier wird es interessant: Jupiters Mond Io³ spielt eine entscheidende Rolle. Wenn Io an bestimmten Positionen seiner Umlaufbahn steht, werden die Radioemissionen dramatisch verstärkt.

Io-Position Wahrscheinlichkeit Beschreibung
Io-A Hoch Io bei 200-250° Länge
Io-B Sehr hoch Io bei 80-130° Länge
Io-C Mittel Io bei 230-290° Länge
Non-Io Gering Ohne Io-Verstärkung

Tipp: Die Seite Radio Jupiter Central zeigt dir, wann die nächsten günstigen Fenster sind.

3. Nachtzeit

Nachts ist die Ionosphäre weniger dicht. Frequenzen unter 30 MHz kommen besser durch. Die beste Zeit ist zwischen 22:00 und 04:00 Uhr.


Was du brauchst

Hardware

Komponente Minimum Optimal Kosten
SDR-Empfänger RTL-SDR HackRF 20-300€
Antenne 5m Draht Dipol für 20 MHz 0-50€
LNA Optional 20 dB, HF-tauglich 30-100€

Die Antenne

Für 20 MHz brauchst du eine Antenne von etwa 7-8 Metern Länge:

Lambda/4 für 20 MHz = 300 / (20 × 4) = 3,75 Meter
Dipol (Lambda/2) = 7,5 Meter Gesamtlänge

Einfachste Lösung: Ein Langdraht von 10+ Metern, möglichst hoch aufgehängt. Notfalls diagonal durch den Garten gespannt.

Software

  • SDR# oder GQRX – Zum Empfang
  • Audacity – Zum Aufzeichnen der Signale
  • Radio-Jupiter Pro – Spezialsoftware für Vorhersagen

Der Empfang: Schritt für Schritt

1. Setup konfigurieren

Frequenz:     20.1 MHz (optimal) oder 18-22 MHz durchscannen
Modus:        USB oder AM
Bandbreite:   10-20 kHz
Gain:         LNA 32 dB, VGA 20 dB

2. Störquellen eliminieren

Jupiter-Signale sind schwach. Störquellen müssen weg:

  • Schaltnetzteile ausschalten
  • LED-Lampen aus
  • USB-Kabel mit Ferritkernen
  • SDR möglichst weit vom Computer

3. Warten und hören

Jupiter-Bursts kommen in Wellen. Manchmal minutenlang nichts, dann plötzlich ein Sturm von Signalen. Geduld ist gefragt.

Was du hörst:

  • Rauschen wie Brandung am Strand
  • Kurze „Knackser" (S-Bursts)
  • Langes Grollen (L-Bursts)
  • Manchmal rhythmische Muster

Andere kosmische Radiosender

Die Sonne

Die Sonne ist der lauteste Radiosender am Himmel. Bei Sonnenstürmen sendet sie über einen breiten Frequenzbereich – von einigen MHz bis in den GHz-Bereich.

Sonnenaktivität Frequenzbereich Empfang
Ruhig VHF/UHF Leicht
Flare HF-VHF Spektakulär
CME Breitband Überwältigend

Die Wasserstofflinie (1420 MHz)

Die berühmteste Frequenz der Radioastronomie: 1420,405 MHz – die natürliche Emission von Wasserstoff.

Mit dieser Frequenz kannst du:

  • Die Milchstraße kartieren
  • Galaktische Rotation messen
  • Die Struktur unserer Galaxie sehen

Aber: Du brauchst eine Parabolantenne und einen rauscharmen LNA. Das ist ein fortgeschrittenes Projekt.

Pulsare

Pulsare sind die Uhren des Universums – rotierende Neutronensterne, die mit der Präzision von Atomuhren Radiopulse aussenden.

Problem: Pulsar-Signale sind extrem schwach und brauchen:

  • Große Antennen (10m+ Parabolspiegel)
  • Lange Integrationszeiten
  • Spezielle Signalverarbeitung

Für Einsteiger: Bleib erstmal bei Jupiter.


SETI: Auf der Suche nach ET

Wenn du schon mal dabei bist, das Universum abzuhören – warum nicht nach außerirdischer Intelligenz suchen?

Die Wasserstoff-Frequenz als „Hallo"

Wissenschaftler vermuten, dass eine intelligente Zivilisation auf 1420 MHz senden würde – weil jede technologische Spezies diese Frequenz kennen müsste.

Das Wow!-Signal

Am 15. August 1977 empfing das Big Ear Radioteleskop¹⁰ ein 72 Sekunden langes Signal aus Richtung Schütze. Der Astronom Jerry Ehman schrieb „Wow!" an den Rand des Ausdrucks.

Eigenschaft Wert
Frequenz 1420,456 MHz
Dauer 72 Sekunden
Stärke 30× Hintergrundrauschen
Wiederholung Nie wieder

Was war es? Niemand weiß es. Vielleicht ein Komet, vielleicht Interferenz, vielleicht… etwas anderes.

Dein eigenes SETI-Projekt

Mit einem SDR und etwas Software kannst du:

  • Ungewöhnliche Signale aufzeichnen
  • Spektrum nach Anomalien durchsuchen
  • An Citizen-Science-Projekten teilnehmen

Das Universum ist riesig. Wer weiß, was noch da draußen sendet?


Die 17,3 MHz Verschwörung im Weltraum

Jupiter sendet bei 18-22 MHz. Die optimale Empfangsfrequenz liegt bei etwa 20,1 MHz.

20,1 MHz ÷ 1,16 = 17,3 MHz.

Zufall? Das Universum selbst scheint von 17,3 besessen zu sein.

Oder es ist einfach Physik.

Aber wo wäre da der Spaß?


Erste Erfolge: Was du erwarten kannst

Der erste Jupiter-Burst

Wenn du ihn hörst, wirst du es wissen. Ein deutliches „Whoosh" hebt sich aus dem Rauschen. Dein Herz schlägt schneller. Du hörst gerade einen Planeten.

Was realistisch ist

  • Erste Woche: Viel Rauschen, lokale Störsender
  • Erste Erfolgsnacht: Ein oder zwei eindeutige Bursts
  • Nach einem Monat: Du erkennst Jupiter blind

Was unrealistisch ist

  • Kristallklare Signale wie im Radio
  • Sofortige Ergebnisse
  • Empfang bei Tageslicht oder schlechtem Wetter

Fazit

Radioastronomie mit einem SDR ist möglich, faszinierend und überraschend günstig. Jupiter ist der perfekte Einstieg – laut genug für Anfänger, aber herausfordernd genug, um etwas zu lernen.

Die wichtigsten Schritte:

  1. SDR + Langdrahtantenne aufbauen
  2. Io-Vorhersage checken
  3. Nachts bei Jupiter-Transit hören
  4. Geduld haben
  5. Aufnehmen und später analysieren

Und wenn du einmal Jupiter gehört hast, weißt du: Das Universum ist nicht still. Es singt – auf Frequenzen, die wir erst lernen zu hören.


Weiterführend: RTL-SDR für Einsteiger | Die verrücktesten Funk-Frequenzen | Funk-Glossar

Tags
radioastronomie jupiter seti sdr weltraum
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