17,3 Hz – Die Frequenz zwischen den Welten
Die Grenze des Hörbaren
17,3 Hz. Eine Frequenz, die du nicht hören kannst – aber vielleicht spüren. Sie liegt im Bereich des Infraschalls¹, jener akustischen Unterwelt, die beginnt, wo unser Gehör aufhört.
Warum ausgerechnet 17,3? Das ist eine gute Frage. Und die Antwort hängt davon ab, wie tief du in das Kaninchenloch der Frequenzen eintauchen willst.
Was ist Infraschall?
Schall ist Schwingung. Luftmoleküle werden komprimiert und wieder entlastet, in Wellen, die sich ausbreiten. Unser Ohr kann Schwingungen zwischen etwa 20 Hz und 20.000 Hz wahrnehmen². Alles darunter ist Infraschall, alles darüber Ultraschall.
Infraschall ist überall:
- Erdbeben erzeugen Infraschallwellen, die den Globus umrunden
- Gewitter produzieren tieffrequente Druckwellen
- Der Wind erzeugt beim Umströmen von Gebäuden Infraschall
- Verkehr – LKWs, Züge, Flugzeuge – pulsiert im Infraschallbereich
- Industrieanlagen und Windkraftanlagen sind bekannte Quellen
Das Besondere: Infraschall wird nicht gehört, aber er wird vom Körper wahrgenommen. Manche Menschen berichten von Unbehagen, Druckgefühl in der Brust oder einem diffusen “Etwas stimmt nicht”-Gefühl in der Nähe von Infraschallquellen.
Die 18,9 Hz Theorie
Der britische Ingenieur Vic Tandy machte 1998 eine interessante Entdeckung. In seinem Labor spürte er wiederholt ein Gefühl der Angst und sah aus den Augenwinkeln graue Schemen. Die Auflösung: Ein Ventilator erzeugte Schwingungen bei etwa 18,9 Hz³ – nahe der Resonanzfrequenz des menschlichen Augapfels.
Diese Frequenz liegt verdächtig nahe an 17,3 Hz.
Tandys These: Viele “Spukerscheinungen” könnten auf Infraschall zurückzuführen sein. Alte Gemäuer mit zugigen Gängen, Industriegebäude mit versteckten Ventilatoren, sogar bestimmte Wetterbedingungen könnten Infraschall erzeugen, der uns nervös macht und Halluzinationen auslöst.
Infraschall-Quellen in der Natur
Die Erde selbst schwingt. Seismologen kennen die sogenannten Eigenfrequenzen der Erde⁴, ausgelöst durch seismische Aktivität und atmosphärische Druckschwankungen.
Aber das prominenteste Beispiel für natürliche Erdresonanzen ist die Schumann-Resonanz⁵ bei 7,83 Hz – elektromagnetische Wellen, die zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre gefangen sind.
17,3 Hz liegt interessanterweise zwischen der zweiten (14,3 Hz) und dritten (20,8 Hz) Schumann-Oberwelle. Ein Frequenzband, das sowohl von natürlichen als auch von technischen Quellen besetzt ist.
Elefanten, Wale und 17,3
Manche Tiere nutzen Infraschall zur Kommunikation:
Elefanten kommunizieren über Infraschall-Rufe im Bereich von 14–24 Hz, die über Kilometer hinweg funktionieren. Die Schwingungen werden teilweise über den Boden übertragen – Elefanten “hören” mit ihren Füßen⁶.
Blauwale erzeugen die lautesten Töne im Tierreich, mit Frequenzen zwischen 10–40 Hz, die theoretisch Hunderte von Kilometern weit reichen können.
17,3 Hz liegt mitten im Kommunikationsband dieser Giganten.
Technische Infraschall-Anwendungen
Infraschall ist nicht nur Naturphänomen – er hat praktische Anwendungen:
| Anwendung | Frequenzbereich | Zweck |
|---|---|---|
| CTBTO-Überwachung⁷ | 0,01–4 Hz | Atomtest-Erkennung |
| Vulkan-Monitoring | 0,5–10 Hz | Frühwarnung vor Eruptionen |
| Meteoritendetektion | 0,1–20 Hz | Atmosphärische Einschläge |
| Industrieüberwachung | 2–50 Hz | Maschinenfehler erkennen |
Das weltweite Infraschall-Netzwerk der CTBTO besteht aus 60 Stationen, die permanent den Infraschallbereich überwachen. Sie können Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge und – natürlich – Nukleartests aufspüren.
Die dunkle Seite: Infraschall als Waffe?
In den 1960er Jahren forschte der französische Wissenschaftler Vladimir Gavreau an den Auswirkungen von Infraschall. Seine Berichte über laborbedingte Übelkeit und Desorientierung führten zu Spekulationen über Infraschall-Waffen⁸.
Die Realität ist weniger dramatisch: Um mit Infraschall physiologische Effekte zu erzielen, braucht man extrem hohe Schalldruckpegel – weit jenseits dessen, was praktisch einsetzbar wäre. Die physikalischen Eigenschaften von Infraschall (lange Wellenlängen, schwierige Bündelung) machen gerichtete Anwendungen nahezu unmöglich.
Trotzdem hält sich der Mythos hartnäckig.
17,3 Hz – Eine Verschwörung?
Und hier wird es interessant. In “Die Zeit-Energie-Verschwörung” spielt 17,3 Hz eine zentrale Rolle – als die Frequenz, die alles verbindet. Eine Fiktion, natürlich. Oder?
Die Wahrheit ist: 17,3 Hz ist physikalisch eine ganz normale Frequenz. Sie hat keine besonderen kosmischen Eigenschaften. Sie liegt einfach in einem interessanten Bereich – unterhalb unserer Hörschwelle, aber oberhalb der meisten natürlichen Resonanzen.
Aber das macht sie nicht weniger faszinierend. Denn die Grenzgebiete – das, was wir fast wahrnehmen können – sind oft die interessantesten.
Kann man 17,3 Hz messen?
Mit einem RTL-SDR⁹ nicht – dafür ist die Frequenz zu niedrig. SDRs empfangen elektromagnetische Wellen, nicht akustischen Schall.
Für echte Infraschall-Messungen brauchst du:
- Ein Infraschall-Mikrofon mit erweitertem Frequenzgang
- Oder ein empfindliches Seismometer
- Und Software zur Spektralanalyse (FFT)
Professionelle Geräte können Infraschall bis hinunter zu 0,001 Hz detektieren. Für den Hobbybereich gibt es Mikrofone mit Frequenzgang bis 1 Hz – ausreichend, um 17,3 Hz zu erfassen.
Die Frequenz als Metapher
Vielleicht ist 17,3 Hz weniger eine physikalische Konstante als eine Metapher. Eine Erinnerung daran, dass es jenseits unserer Wahrnehmung mehr gibt als wir ahnen.
Infraschall-Wellen durchdringen Wände, umrunden den Globus, verbinden Elefanten über Kilometer. Sie sind unsichtbar, unhörbar – und doch real.
17,3 Hz ist die Frequenz an der Schwelle. Nicht ganz greifbar, aber spürbar. Wie so vieles im Leben.
Weiterführende Artikel: Die Schumann-Resonanz | Sferics und Whistler
Dieser Artikel ist Teil des Hintergrundwissens zum Techno-Thriller von Kairos Aletheia. Frequenzen, SDR und Funktechnik - verständlich erklärt.
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